BAUGRUNDVERSTÄRKUNG

Das schwarze Loch

Rathaus mit abgesacktem Boden nach Unterspülung
Rathaus mit abgesacktem Boden nach Unterspülung

Einem Wasserrohrbruch in der Nachbarschaft wurde von den Angestellten der Ortstverwaltung des Weindorfes Mußbach (Neustadt an der Weinstraße) zunächst keine größere Beachtung geschenkt. Bis zu dem Zeitpunkt, als in einem Versammlungsraum im Erdgeschoss ein Nachschwingen des Fußbodens sowie ein „hohler Klang“ beim Begehen festgestellt wurde. Von der Ortsverwaltung wurde daraufhin der Rückbau der Fußbodenkonstruktion veranlasst. Dabei wurden massive Sackungen im Bereich des Untergrundes festgestellt, die teilweise bis unter die Außenmauern reichten.

 

Die größten Sackungen stellten sich hinter dem quadratischen Schachtbauwerk der ehemaligen gemeindlichen Brückenwaage ein. Hier wurden ca. 0,75 m Höhendifferenz zur ursprünglichen Höhe gemessen. Zwei weitere Setzungsmulden sind noch 0,35 m bzw. 0,10 m tief. 

Folgender Aufbau des Erdgeschossfußbodens wurde festgestellt (von oben nach unten):

- Massivholzdielen,

- Trägerkonstruktion aus Kanthölzern,

- Dichtungsbahn,

- Untergrund (aufgefüllter Sand).

 

Um Aufschluss über die Untergrundsituation zu erhalten und mögliche Schadensursachen aufzeigen zu können, wurde die IBES Baugrundinstitut GmbH mit der Durchführung von Baugrunderkundungen und der Ausarbeitung eines geotechnischen Schadensgutachtens mit Sanierungsempfehlungen beauftragt. 

Das Loch wurde mit dem URETEK-Injektionsverfahren aufgefüllt
Das Loch wurde mit dem URETEK-Injektionsverfahren aufgefüllt

 

 

Das nicht unterkellerte Büro- und Verwaltungsgebäude der Ortsverwaltung Mußbach ist 1778 errichtet worden. Eine Gründung nach heutigem Verständnis ist nicht vorhanden, die Felssteinfundamente sind damals direkt im anstehenden Sand gegründet worden und binden dort nur wenige Dezimeter ein. Im Schadensbereich wurde später noch ein Schacht für eine Brückenwaage hinzugefügt, welche tiefer gründet als die aufgehenden Wände. Das Gebäude befindet sich direkt im Ortskern von Mußbach an einer durchschnittlich befahrenen Straße.

Anhand von Bohrprofilen konnten Auffüllungen bis in eine Tiefe von ca. 2,60 bzw. 4,00 m unter Ansatzpunkt festgestellt werden. Es handelt sich hier um kiesigen, schwach schluffigen Fein- und Mittelsand. Unterlagert werden diese Auffüllungen von stark sandigen, weichen Schluffen. Im Bereich des Wassereintrittes ist eine Durchfeuchtung des Baugrundes feststellbar. Bei Rammsondierungen an mehreren Stellen wurden durchweg sehr geringe Schlagzahlen ermittelt.

 

Bei der Schadenssuche wurde zunächst davon ausgegangen, dass der Arbeitsraum der nachträglich installierten Brückenwaage bei der Rückverfüllung nicht ordnungsgemäß verdichtet wurde und die Verformungen auf eine Nachsacken der Böden z.B. infolge Wassereinwirkung oder Erschütterungen zurückzuführen seien. Der aufgefüllte Boden unter den Lagerhölzern ist jedoch vermutlich allein infolge der Unterspülung in alte unbekannte Hohlräume (verschüttete Keller) einer vorherigen Bebauung transportiert worden, weshalb eine muldenförmige Sackung der Auffüllungen erfolgte. Glücklicherweise waren bisher keine von außen sichtbaren Schäden in Form von Rissen in den Wänden aufgetreten. Die aufgehenden Wände wurden, dem damaligen Stand der Technik entsprechend, ohne Polster oder sonstige Fundamentierung, direkt auf dem Sandboden gegründet. Für die Sanierung ergeben sich damit ungünstige Randbedingungen.

Durch ein Ausgleichen der Fehlmassen unterhalb des EG-Fußbodens würde gemäß Sanierungsempfehlung nicht das dringliche Problem der hohl liegenden Außenmauer behoben. Um Setzungen und damit Rissbildungen an der Außenfassade zu vermeiden, müssten Fehlmassen im Gründungsbereich ausgeglichen oder die Wände unterfangen werden. Eine Durchgründung der lockeren Bodenschichten in Form einer abschnittsweise Unterfangung im Sinne der DIN 4123, die bei einer heute üblichen Gebäudegründung durchaus möglich wäre, ist im vorliegenden Fall aber praktisch nicht durchführbar. 

 

Somit entschieden sich die Auftraggeber für die DeepInjection-Methode von URETEK. Durch die Injektion des Zweikomponenten-Expansionsharzes wurden zuerst die noch vorhandenen Hohlräume unter den Setzungsmulden aufgefüllt und der Baugrund entlang der Außen- und Innenwand im Bereich des Absenkungstrichters aufgefüllt sowie die aufgelockerten Sandauffüllungen verstärkt. Dadurch konnte der durchgehende Kraftschluss zwischen Fundamentsohle und Baugrund wieder hergestellt werden. Nachdem anschließend die Fehlmassen in den noch sichtbaren Absenkungstrichtern der Fläche wieder aufgeschüttet und entsprechend verdichtet worden waren, konnte der Fußboden wieder eingebaut werden. Somit war schon nach sehr kurzer Zeit der Versammlungsraum wieder benutzbar.

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