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AUFSTOCKUNG VON BESTANDSGEBÄUDEN ALS ANTWORT AUF WOHNRAUMKNAPPHEIT

Warum Gebäudeaufstockungen die Wohnraumknappheit in Ballungsgebieten lindern können und was die Geotechnik damit zu tun hat.

Diversen Pressemitteilungen ist zu entnehmen, dass in Deutschland zurzeit rund 1,2 Millionen Wohnungen fehlen, die meisten davon in Großstädten. Ein wesentlicher Grund dafür sei das Bevölkerungswachstum bei gleichzeitigem Rückgang der durchschnittlichen Personenanzahl je Haushalt. Dazu finden starke Binnenwanderungen in Deutschland statt: so ziehe es viele Menschen in wirtschaftsstarke Ballungszentren mit Beschäftigungswachstum und attraktive Universitätsstädte. Die dadurch seit Jahren steigenden Mieten führen besonders zu einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Gering- und Mittelverdiener. Aus der Studie „Deutscher Häuser- und Wohnungsmarkt 2018“ der Deutschen Bank Research geht hervor, dass auch im Jahr 2018 die Mietpreise weiter steigen werden.

Was wurde bisher gegen die anhaltende Wohnraumknappheit getan?

Zwar werden seit Jahren wieder mehr Baugenehmigungen erteilt und es wird auch tatsächlich mehr gebaut, allerdings liegt die Zahl der Fertigstellungen weit hinter dem tatsächlichen Bedarf. Zudem wird häufig im höherpreisigen Segment gebaut. Maßnahmen der Bundesregierung waren zum einen die Gründung des „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“ und eine vor drei Jahren vom Bundestag verabschiedete Mietpreisbremse. Diese soll die Steigerung der Mieten bei Neuvermietungen im Bestandssektor begrenzen.

Aufstockung von Bestandsgebäuden als Lösungsbringer!

Die Lage entspannen könnte nun eine vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. ins Leben gerufene Initiative. Mit der „100 Tausend DächerInitiative“ möchte der GdW kostengünstigen Wohnraum über Aufstockungen von Bestandsgebäuden schaffen und den effizienten Wohnungsbau in Wachstumsregionen somit ankurbeln. Die Idee der Dachaufstockung als Lösungsbringer für die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt ist dabei keine neue. Im Rahmen der „Deutschland- Studie 2015 – Wohnraumpotenziale durch Aufstockungen“ der TU Darmstadt und des ISP Pestel Instituts für Systemforschung Hannover wurde bereits festgestellt, dass Aufstockungen von Bestandsgebäuden ein enormes Potenzial an zusätzlichem Wohnraum bieten.

Insbesondere in Ballungszentren, in denen kaum zusätzliches Bauland zur Verfügung steht, und Grünflächen wie Gärten und Parks erhalten bleiben sollen, bleibt nur noch die Option, in die Höhe zu bauen. Die Vorteile von Aufstockungen von Bestandsgebäuden liegen insbesondere darin, dass keine Grundstücksflächen benötigt werden und somit auch keine Grundstückskosten anfallen, vorhandene Infrastruktur und Verkehrsflächen genutzt werden können und energetisch optimierte Aufstockungen sogar die Energieeffizienz des gesamten Hauses verbessern können. Allerdings stehen dem immer noch Hemmnisse im Planungsrecht entgegen.

Gebäudeaufstockungen – eine Herausforderung für die Geotechnik

Gebäudeaufstockungen werden seit vielen Jahren praktiziert. Je nach Ausbauart und Dimensionierung der Bestandsfundamente kann die Notwendigkeit einer Fundamentertüchtigung bestehen. Denn wo aufgestockt wird, werden Lasten auf Fundamente und Baugrund erhöht und Tragreserven mitunter überschritten. Die Geotechnik sollte Antworten parat haben und geeignete Maßnahmen zur Baugrundverstärkung empfehlen können.

Verstärkungsmaßnahmen an Gründungen

Ein interessantes Aufstockungsprojekt führte das URETEK Team im Jahr 2009 nach Rosenheim. Dort wurde ein Wohn- und Geschäftshaus um zwei Etagen aufgestockt. Wir blicken darauf zurück und lassen die Beteiligten zu Wort kommen.