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Bodenarten:
Auffüllungen

Aufgefüllter Boden ist keine Bodenart. Eine Auffüllung kann jeden Boden vom Schotter bis zum Torf enthalten. Üblicherweise spricht man von aufgefülltem Boden, wenn er künstlich, also von Menschen, aufgefüllt ist. Das kann ein Damm für eine Straße sein, aus verdichtungsfähigem Material geschüttet und gut verdichtet. Oder eine Geländeauffüllung, um aus einem Überschwemmungsgebiet herauszukommen, eine Auffüllung also, die keine andere Aufgabe hat als Höhe zu gewinnen.

Um die Tragfähigkeit aufgefüllter Bodenschichten beurteilen zu können, sind Bodenuntersuchungen erforderlich. Einerseits muss die Bodenart selbst bekannt sein und andererseits ein Hinweis für die eventuell erfolgte Verdichtung des Bodens. Kleinbohrungen und Rammsondierungen geben hier schon erste wertvolle Hinweise. Die untenstehende Abbildung zeigt die Ergebnisse einer solchen Untersuchung und was alles daraus zu lesen ist.

Wir haben hier eine sehr heterogene Schüttung aus Sand mit anorganischen und auch wenigen organischen Beimengungen. Das Ergebnis der Rammsondierung, das Sondierwiderstandsdiagramm, gibt uns mit dem großen Bereich nahezu ohne Widerstand einen konkreten Hinweis darauf, dass diese Auffüllung, auch wenn sie schon sehr lange liegt, noch ein großes Sackungspotential hat. Längere Zeiten ohne Setzungen geben hier keine Gewissheit für ein Ende der Setzungen. Sackungen treten zeitlich unstetig auf, wenn z.B. anhaltende Niederschläge Feinteile des Bodens aus oberen Schichten nach unten spülen konnten. Es ist aus dem Widerstandsdiagramm auch ablesbar, dass die Auffüllung im untersten Bereich bereits dicht gelagert ist. Die von oben eingespülten Feinteile haben die offenen Poren gefüllt, so dass ein dichtes Gefüge entstand.

Um die Tragfähigkeit aufgefüllter Bodenschichten beurteilen zu können, sind Bodenuntersuchungen erforderlich
Eine Auffüllung kann jeden Boden vom Schotter bis zum Torf enthalten

Eine Auffüllung aus lehmigem Boden enthält in der Regel relativ große Poren oder Hohlräume zwischen den einzelnen Lehmbrocken. Wenn Lehmboden bei Wasserzutritt aufweichen will, muss er quellen können. Dazu braucht er Platz. Dieser Platz ist im gewachsenen, belasteten Boden nicht vorhanden, daher kann er nicht aufweichen. Im aufgefüllten bindigen Boden ist diese Möglichkeit jedoch durch die großen Poren und Hohlräume gegeben. Die Lehmauffüllung kann also sowohl sacken als auch durch Aufweichung an Tragfähigkeit verlieren. Wenn eine nichtbindige Auffüllung nicht verdichtet oder heterogen aufgebaut ist und unterschiedliche Sackungen bereits zu Schäden geführt haben, können diese Bodenschichten durch Injektionen nachträglich so verdichtet werden, dass weitere Sackungen auszuschließen sind. In einer Auffüllung aus bindigem Boden ist durch Injektionen ebenfalls eine Bodenverbesserung zu erreichen, aber im Einzelfall zu prüfen, ob Nachsetzungen zu erwarten sind. Auffüllungen aus organischen Böden sind mit bestandsschonenden Injektionen in der Regel nicht zu verbessern. Da sind dann schon „schwerere Kaliber aufzufahren“ wie nachträgliche Pfahlgründungen.

Dipl.-Ing. Michael Soretz, ELH Ingenieure, Hannover