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Bodenarten:
Organische Böden

Die Böden, mit denen wir es in der Regel zu tun haben, sind mineralische Böden wie Kies, Sand, Lehm oder auch Ton. Wie der Name schon erwarten lässt, ist organischer Boden zumindest zu erheblichem Anteil aus organischer Substanz aufgebaut. Der Begriff deckt den großen Bereich von Mutterboden über Faulschlamm und Torf bis zur Kohle ab.

Die organischen Böden sind stark kompressibel wie Torf, Klei oder Mudde, wobei sie unterschiedlich entstanden sind. Torf ist bekannt: Dort, wo Torfgebiete entwässert werden, kann er abgebaut werden. Zum Heizen verwenden wir ihn heute nicht mehr, aber wir kennen ihn vom „Gärtnern“. Sehr bekannt für organischen Boden ist die Marsch im Norden Deutschlands, ein Gebiet, das noch in den letzten Jahrhunderten dauernd seine Form änderte und nach jeder größeren Sturmflut wieder anders aussah. Bis der Mensch dem Meer weitgehend das Land abgerungen und in Besitz genommen hat. Mit 10 bis 15 Meter dicken Bodenschichten aus Schlick, Klei, Torf. Schichten, die bei einer Bebauung schon mit Einfamilienhäusern Setzungen in dm-Größenordnung erwarten lassen. Ähnliche Verhältnisse wie in der Marsch kennen wir auch von Flussauen, wo verlandete alte Flussbetten mit organischem Boden gefüllt sind. Woher kommt die leichte Zusammendrückbarkeit?

Ein Klumpen Schilftorf
Wohnhaus-Absenkung bei Böden aus organischen Schichten

Wenn man sich überwindet und hineingreift ins volle Leben und einmal eine Handvoll Schilftorf in die Hand nimmt und zusammendrückt, begreift man im wahrsten Sinn des Wortes, was da geschieht. Es wird das Wasser herausgedrückt. Und davon ist sehr viel drin. Zwischen 100 und 400 Prozent Wassergehalt, also das ein- bis Vierfache des Trockengewichtes. Und dieses wird durch Gewichtsbelastung langsam aber unaufhaltsam verdrängt. Während sich Sand mehr oder weniger unmittelbar beim Aufbringen der Last setzt und Lehm- oder Tonboden je nach Schichtdicke Tage bis Monate braucht, ehe Setzungen abgeklungen sind, setzen sich organische Schichten bei Belastung noch nach vielen Jahrzehnten. Zu den lastbedingten Setzungen kommen dann noch Setzungen infolge von Zersetzungsprozessen, die weitgehend unter Sauerstoffabschluss ablaufen.

Wie kann man nun auf solchen Böden gründen? Heute, mit unseren hohen Ansprüchen, kommen wir wohl kaum um Pfähle herum. Unsere „Altvorderen“ stellten in der Marsch einfach ihre Häuschen drauf. Die Schlauen bauten einen Keller, der so weit in den Boden einband, dass der ausgehobene Boden so viel wog wie das Häuschen – und keine Experimente mit einseitigen Bodenaufschüttungen am Haus, die einseitige Setzungen verursachen.

Und wenn dann Setzungen geschehen? Obwohl sogar ein verdichtetes Sandpolster unter dem Haus eingebaut wurde, aber der Torf doch zu unterschiedlich dick war? Fragen Sie dazu einfach die Technischen Berater von URETEK. Den Torf verfestigen, das können sie leider nicht. Aber es gibt Möglichkeiten, das Gebäude wieder gerade zu richten und in der neuen Lage festzuhalten.

Dipl.-Ing. Michael Soretz, ELH Ingenieure, Hannover

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