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Sand

„Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der ist einem törichten Manne gleich, der sein Haus auf den Sand baute. Da nun ein Platzregen fiel und kam ein Gewässer und wehten die Winde und stießen an das Haus, da fiel es und tat einen großen Fall.“ Matthäus 7, 26 – 27

Sand – ungeeignet als Baugrund?

Unerwartet viel Geotechnik in der Bibel, wenn auch teilweise in verschlüsselter Form und – für unsere Gegend – ein wenig kurios. Was lesen wir: Wasser kann Sand ausspülen. Das heißt es ist sinnvoll, darauf zu achten, dass Sand unter den Fundamenten nicht fortgespült werden kann, dass kein hydraulisches Gefälle besteht mit dem Potenzial, Sand zu verlagern und dass nirgends Hohlräume sind, in die der Sand eingespült werden kann. Vielleicht eine Entwässerungsleitung mit undichten Muffen?

Auch auf die Gefahren durch Wind wird hingewiesen, aber wer baut schon sein Haus auf einer Düne, wo diese Gefahr tatsächlich besteht? Obwohl ein Haus auf einer Wanderdüne – jeden Tag ein anderer Blick aus den Fenstern – schon irgendwie verlockend wäre. Es ist aber nicht notwendig, wie in der Bibel empfohlen, jede Gründung auf Sand zu vermeiden und nur auf Fels zu bauen. In der „realen Welt“ freuen wir uns, wenn wir Sand als Baugrund finden, weil er leicht zu bearbeiten ist, was wir schon als Kinder in der Sandkiste festgestellt haben, und weil er durchaus für Gebäude gängiger Größenordnungen gut tragfähig ist. Sand im Grundwasser benötigt dann allerdings schon einige Tricks wie Grundwasserabsenkungen, um unseren Keller bauen zu können.

Aber die Schwierigkeiten kennen wir ja vom „Bauen“ von Burgen am Strand. Aus diesen Tagen haben wir auch die Erfahrung mitgebracht, dass trockener, loser Sand, wie zum Beispiel Dünensand, erheblich weniger tragfähig ist als dichter, eingespülter Sand. Eigentlich schon zwei Erfahrungen auf einmal: Dichter Sand ist gut tragfähig und Sand kann durch Einspülen verdichtet werden. Auch wir Geotechniker lieben Sand, denn er gibt uns die Gelegenheit, bodenmechanische Versuche wie Rammsondierungen, Kornanalysen und ähnliches zu verkaufen – wir sind da recht erfindungsreich – um dann ohne allzu großes Risiko festzustellen, man könne darauf schon ein Haus mit Sohldrücken von 200 kPa gründen und es würde sich wohl so um rund einen Zentimeter setzen.

In einzelnen Fällen ist es allerdings auch in der Geotechnik ähnlich wie in der Medizin, wo schalkhaft kolportiert wird, es gebe eigentlich keine rundum gesunden Menschen, sondern allenfalls welche, die noch nicht hinreichend untersucht worden wären. Wenn wir beispielsweise bei einem mehrgeschossigen älteren Wohnhaus feststellen, der Sand, auf dem es steht, wäre so locker gelagert, dass der weitere Bestand des Gebäudes, besonders bei weiterer Belastung durch Aufstockung, gefährdet wäre. Was tun? Nun ja, zumindest möchte ich Sie darauf hinweisen, dass gerade Sandböden sich in hervorragender Weise dazu eignen, sie durch die Anwendung von Injektionsverfahren in ihrer Tragfähigkeit zu verbessern. Das gilt insbesondere für aufgefüllte Sande, die nicht künstlich verdichtet wurden oder über deren Verdichtung bei der Aufbringung keine Nachweise vorliegen.

Injektionen verdichten mitteldichten Sand

Abschließend will ich anhand des Abdruckes eines kleinen Kinderfußes noch eine Denksportaufgabe stellen. Wir sind am Ostseestrand, wir sehen an der unruhigen Linie, wie weit die Wellen der Brandung bereits gekommen sind, und wir sehen einen Fußabdruck wie ein Negativ, also eine Erhebung, wo man eigentlich eine Einsenkung erwarten müsste. Wie gibt es das? Hier hat der Kinderfuß den eingespülten Sand offensichtlich so weit verdichtet, dass er beim Überrollen durch die nächste Welle dem Abtrag des Sandes einen größeren Widerstand entgegengesetzt hat, als der umgebende Sand.

Ob Sie es glauben oder nicht, Sie haben damit den Beweis vor sich, dass mit Injektionen auch eingespülter, also mindestens mitteldichter Sand weiter verdichtet werden kann.

Dipl.-Ing. Michael Soretz, ELH Ingenieure, Hannover

Fußabdruck im Sand