Bodenarten:
Schluff

Mit der Bezeichnung „Schluff“ können vermutlich nicht viele etwas anfangen. Zugegebenermaßen gibt es diesen Boden, der nur über seine Korngröße, nämlich zwischen Sand und Ton definiert ist, in der Natur nur sehr selten ganz eigenständig. In den meisten Fällen tritt er gemischt mit Sand und/oder Ton auf. Diese Mischung ist uns als „Lehm“ bekannt.

Ich denke, Sie alle haben ein anschauliches Bild vor Augen, wenn Sie an ihren letzten Spaziergang oder eine Wanderung nach einem Regen im lehmigen Boden denken. Der Lehm klebt an den Schuhen und an der Kleidung und wenn er eingetrocknet ist, bekommt man ihn kaum wieder weg. Sie konnten auch schon feststellen, dass dieser Boden durchaus auch fest ist, ja richtig hart wird, wenn es länger trocken ist.

Dipl.-Ing. Michael Soretz erklärt die Eigenschaften von Schluff
Ein Mann steckt in einem Untergrund aus Schluff fest

So etwas wie in dem Bild sollte Ihnen nicht passieren und wird Ihnen auch nicht passieren, wenn Sie bei Ihren Planungen, bei der Organisation Ihrer Baustelle beachten, dass Lehm in seiner Konsistenz sehr empfindlich ist gegenüber Wasserzutritt. Er kann sehr schnell seine Konsistenz wechseln von fest zu breiig, wenn seine Oberfläche zum Beispiel ungeschützt Niederschlägen ausgesetzt ist oder der Boden sogar friert und nachher wieder auftaut. Was kann man dagegen machen, dass Regen eine Baugrubensohle im Lehm aufweicht? Ein bewährtes Mittel ist das Abdecken des Bodens unmittelbar nach dem Aushub – oder zumindest der freigelegten Fläche am Ende eines Arbeitstages.

Womit? Nun, zum Beispiel mit 20 Zentimeter Kies-Sand. Bitte sagen Sie nicht, da käme das Wasser doch auch durch. Machen Sie‘s ruhig. Der Trick ist nämlich nicht das Abdichten gegenüber dem Niederschlagswasser, sondern die aufgebrachte Belastung auf dem Planum, die verhindert, dass der Boden sein Volumen vergrößern kann und damit aufweicht.

Die Tragfähigkeit von Lehm ist für „normale“ Wohnhäuser durchaus ausreichend, was bedeutet, dass die Setzungen dieses Bodens in der Regel ohne Schaden aufnehmbar sind. Wenn aber, zum Beispiel im Fall einer Aufstockung, größere Tragfähigkeit des Bodens erforderlich ist, dann kann der Lehmboden unterhalb der Fundamente zum Beispiel durch Injektionen mit Expansionsharz (Uretek-DeepInjection) verbessert werden.

Die Abbildung zeigt das Ergebnis einer Versuchsinjektion in einem Lehmboden (Schluff-Sand-Gemisch) nach dem Freilegen. Es ist gut vorstellbar, dass ein solches Gerippe während der Injektionen entstandener, kreuz und quer verlaufender Harzlamellen die Scherfestigkeit des Bodens und damit die Tragfähigkeit erheblich verbessert. Und so ist es auch.

Dipl.-Ing. Michael Soretz, ELH Ingenieure, Hannover

Ergebnis einer Versuchsinjektion in einem Lehmboden (Schluff-Sand-Gemisch) nach dem Freilegen