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Leben im Treibhaus – Das Klima im Wandel der Zeit

5 Fragen an Claudia Kleinert

TV-Wettermoderatorin und Key Note-Speakerin

„Wetterfee“ Claudia Kleinert präsentiert „Das Wetter im Ersten“ nach den Tagesthemen.

Am Anfang steht natürlich die Frage, wie sich Wetter und Klima unterscheiden und wie genau Prognosen dazu sein können?

Wetter ist das, was kurzfristig passiert. Man bezeichnet damit den physikalischen Zustand der Atmosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort. Klima hingegen bezeichnet einen langfristigen Zustand. Man betrachtet den Wetterlauf über einen Zeitraum von 30 Jahren und mehr. Nur dann sind Vergleiche und die Betrachtung von Veränderungen möglich.

Was beeinflusst das Klima? Und welchen Anteil hat der Mensch daran?

Das sind verschiedene Faktoren wie beispielsweise die Sonneneinstrahlung, Höhe, Umgebung (wie Land oder Meer), Zusammensetzung der Erdatmosphäre. Meeresströmungen, Wasserkreislauf, allgemeine Zirkulation der Atmosphäre und andere. Es gibt einige Faktoren, die wir als Menschen mit beeinflussen, zum Beispiel Ozon, das die UV-Strahlung reduziert, die auf die Erde gelangt. Dabei geht es um das Ozon, welches sich über der Troposphäre befindet, also in hohen Atmosphärenschichten.

© ARD/Thorsten Jander

Verringern wir das Ozon, dünnen also diese Ozonschicht aus, so beeinflusst das das Klima. Treibhausgase wie CO2 oder Methan führen zu einer Verstärkung des Treibhauseffekts.
Auf dem Weg von der Sonne zur Erde durchdringt das kurzwellige Sonnenlicht die Erdatmosphäre, wärmt diese und wird als infrarote Wärmestrahlung zurückgestrahlt. Die Atmosphäre speichert einen Teil der abgestrahlten Wärme als Energie und verhindert so, dass wir es auf unserem Planeten mit bitterer Kälte zu tun haben. Ohne diese Wärmespeicherung, den natürlichen Treibhauseffekt, würden wir mit einer Durchschnittstemperatur von -17/-18 Grad zurechtkommen müssen. Leben, so wie wir es jetzt kennen, wäre bei dieser Temperatur gar nicht möglich. Mit dem natürlichen Wärmespeichereffekt liegt die Temperatur bei durchschnittlich 15 Grad plus.

Je mehr Treibhausgase aber in der Atmosphäre vorhanden sind, desto weniger langwellige Strahlung kann die Atmosphäre verlassen, was zu einer fortschreitenden Erwärmung führt.

Da seit Beginn der Industrialisierung sehr viel Treibhausgase von Menschen freigesetzt werden (CO2 und auch, wenn auch in geringerer Menge, Methan) verstärkt sich der Treibhauseffekt.

Welche Veränderungen im Klima können Sie feststellen? Und was haben wir in Deutschland in den nächsten 50 Jahren zu erwarten?

Dazu allein kann man ein ganzes Buch schreiben. Und ich bin ja auch keine Klimaforscherin, sondern betrachte mehr oder weniger die Auswirkungen der Veränderungen. Und die sind: zunehmende Extremwetterereignisse wie Starkregen und damit verbunden Überschwemmungen oder auch zunehmende Trockenheit, wie wir sie ja auch in diesem Jahr erleben. Regen wird in den Sommermonaten – so erwartet man, denn gesichert kann das niemand sagen – seltener fallen, zumindest in bestimmten Regionen Deutschlands wie in den östlichen Bundesländern. Hingegen werden Niederschläge in den Wintermonaten zunehmen. Was bei steigender globaler Durchschnittstemperatur bedeutet: es kommt zu Überschwemmungen, da die Schneefallgrenzen steigen und somit weniger Wasser in Form von Schnee gebunden wird.

Es gibt zudem starke Indizien dafür, dass Wetterlagen länger stabil bleiben, so wie wir es in diesem Jahr mit einem Hoch über Nordeuropa erleben. Das kann, so wie im Moment, zu extremer Trockenheit und in Jahren mit stetig durchziehenden Tiefdruckgebieten zu Starkregenereignissen und Hochwasser führen.

Welche Auswirkungen haben die Klimaveränderungen auf den Boden?

Zu große Trockenheit führt zu Austrocknung von Böden und zu viel Wasser in stetig wiederkehrender Regelmäßigkeit oder häufig stattfindende Starkregenereignisse führen zu Erosion oder dem Auswaschen von Nährstoffen aus dem Boden.

Welche Anpassungsmöglichkeiten schlagen Sie vor?

Ich glaube, da gibt es Experten, die sich deutlich besser mit den jeweiligen Spezialgebieten auskennen und sinnvolle Vorschläge machen können. Denn für den Norden Deutschlands muss nicht die gleiche „Anpassung“ notwendig sein wie für den Süden Deutschlands. In den Mittelgebirgen oder im Schwarzwald ist das Erosionsproblem ein deutlich größeres als in Hamburg oder München. Mir fallen spontan ganz viele Bereiche ein, in denen wir uns künftig anpassen sollten und wahrscheinlich auch müssen: Zum Beispiel Abwassersysteme in Städten und Gemeinden, die möglicherweise auf deutlich höhere Abflussmengen ausgerichtet sein sollten, Renaturierung von Flüssen und Feuchtgebieten, Anbau von an dieses „neue“ Klima angepassten Pflanzen in der Landwirtschaft, Dämmung von Wohnraum in Hinblick auf Kühlung (wie in südlichen Ländern schon lange umgesetzt wird), Straßenbeläge, die größere Hitze gut aushalten, Dächer, die hohe Temperaturen absorbieren oder Wärme zurückstrahlen, Bewässerungssysteme, die auch bei großer und lang andauernder Hitze Felder mit Wasser versorgen, Grünflächen anlegen, die CO2 speichern und als grüne Lunge fungieren usw. usw. usw.

Frau Kleinert, herzlichen Dank für dieses Gespräch.