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Baugrundstabilisierung & Fundamentanhebung bei Wohn- und Betriebsgebäude in Bichl

Umfang/Dauer
ca. 400 m2 Bodenplatte, 4 Innenstützen, 3 Arbeitstage
Einsatzort
83673Bichl

Seetone lassen Gebäude über 10 Jahre sacken

Seetone im Baugrund brachten ein Wohn- und Betriebsgebäude im oberbayrischen Bichl aus dem Lot. Nach zehn Jahren Setzungserscheinungen kam der Neubau bei einer Schiefstellung von knapp 15 Zentimetern endlich zum Stillstand. Zurück zu ebenen Verhältnissen sollte es nun wieder gehen: eine Sanierung mit der URETEK-FloorLift-Methode sorgte für gerade Ergebnisse.

Im Jahre 2000 entstand das Wohn- und Betriebsgebäude. Vier Innenstützen nehmen die Lasten aus den in Längsachse verlaufenden Spannbetonträgern auf, auf denen die Stahlbetonzwischendecke ruht. Das zweigeschossige Gebäude mit den Abmessungen von 30 x 13 Meter gründet auf einer circa 40 Zentimeter starken, zweilagig bewehrten Gründungsbodenplatte. Im Bereich der vier tragenden Stützen ist die Gründungsbodenplatte in einer Stärke von 60 Zentimeter ausgebildet. Umlaufend erhielt die Bodenplatte eine circa 60 Zentimeter tiefe und konstruktiv bewehrte Frostschürze. Bereits von Baubeginn an kam es kontinuierlich zu ungleichmäßigen Setzungserscheinungen. Die Hauptsetzungen traten an der nördlichen Gebäuderückseite mittig im Bereich der Sanitäranlagen auf und es kam zu einer einseitigen Schiefstellung und horizontalen Rissen im Obergeschoss.

Setzungsempfindliche Seetone hielten der Last nicht stand

Ein ingenieurgeologisches Gutachten im Jahre 2004 ergab, dass tiefreichende sehr ungünstige Baugrundverhältnisse vorliegen. Die Gründungsbodenplatte ruht auf einer knapp über ein Meter starken Schicht aus sandigem Kies und zum Teil aus Recyclingmaterial von mitteldichter bis dichter Lagerung. Darunter setzt sich der Boden bis in circa 17 Meter Tiefe aus wechselnd gelagerten tonigen und schluffigen Böden mit organischen bis torfigen Anteilen, sogenannten Seetonen, zusammen. Seetone sind geologisch betrachtet junge und nicht vorbelastete, unkonsolidierte Böden, die sehr stark zusammendrückbar und setzungsempfindlich sind. Aufgrund sehr hoher Sanierungskosten von mehreren Hunderttausend Euro für die vorgeschlagenen Pfahlsysteme bzw. bei einer Sanierung auf Basis von Zementinjektionen entschied man sich zunächst dafür, dass Setzungsverhalten des Gebäudes über die Zeit genauer zu untersuchen.

Bauwerksanhebung mit Harz

Das in den folgenden Jahren aufgelegte kontinuierliche Messprogramm ergab dann, dass die Setzungen von bis zu 14,6 Zentimetern im Jahre 2010 weitestgehend abgeklungen waren. Daraufhin wurde beschlossen, das Bauwerk mit Hilfe der FloorLift-Methode anzuheben und bezogen auf den Erdgeschossfußboden horizontal auszurichten. Über 12 bis 16 Millimeter große Bohrlöcher wurde das Zweikomponenten-Expansionsharz einerseits in 60 Zentimeter Tiefe direkt unter die Gründungssohle der vier Innenstützen injiziert, während gleichzeitig über ein variierendes Raster zwischen 0,8 bis 3 Metern Injektionen unter die Bodenplatte erfolgten. Durch die Expansionskraft der Harze wurde das gesamte Gebäude in mehrfach überlagernden Schritten bauwerksverträglich, das heißt möglichst spannungsarm, wieder in eine horizontale Lage gebracht. Der unter der Gründungsbodenplatte liegende mitteldicht bis dicht gelagerte Kieskoffer diente dabei als Widerlager für die Anhebung. Abschließende Injektionen im Bereich der Fundamentsohle der Frostschürze gewährleisteten die Wiederherstellung einer kraftschlüssigen Auflage.