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Sanierung des Schwabentorturms in Freiburg

Objekt
Denkmal
Umfang/Dauer
ca. 110 m² Fundamentsohlfläche, ca. 640 m³ verstärktes Boden- bzw. Fundamentvolumen, ca. 25 Arbeitstage
Einsatzort
79098Freiburg

Freiburgs Wahrzeichen bekommt Verstärkung

Im 13. Jahrhundert wurde das Schwabentor als Schalenturm mit Wehrmauern nach außen und zur Stadt hin offen errichtet. Reger Fuhr- und Handelsverkehr zog durch die Mauern. Im Jahr 1901 erhielt der Torturm Aufbauten im Stile der Spätgotik, die jedoch 1954 wieder zurückgebaut wurden. Seitdem trägt der Turm wieder ein Zeltdach und ist immer noch höher als in der ursprünglichen Form. Heute fahren Straßenbahnen durch das Tor.

Die Erhaltung dieses und auch anderer Wahrzeichen der Stadt ist eine permanente Aufgabe für das städtische Gebäudemanagement. Als die Außenmauern neu verputzt werden sollten, wurden Risse festgestellt, die durch das Vermessungsamt der Stadt Freiburg messtechnisch überwacht wurden. MohnkeIHöss Bauingenieure erarbeitete eine Bedarfsplanung für erforderliche Voruntersuchungen, zu denen auch Baugrunduntersuchungen gehörten. Die Baugrunduntersuchung durch die Ingenieurgruppe Geotechnik aus Kirchzarten ergab, dass der natürliche Untergrund von gut tragfähigen, dicht bis sehr dicht gelagerten Schwarzwaldkiesen gebildet wird, die als schwach schluffige, steinige Kiese und Sande zu bezeichnen sind. Der gut tragfähige Baugrund wird allerdings durch künstliche Auffüllungen, deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen, überlagert. Es ist davon auszugehen, dass diese eine Schichtdicke von bis zu sechs Metern aufweisen.

Der Baugrund des Schwabentors ist also sowohl hinsichtlich der Fundamentqualität als auch der Gründungssohle sehr uneinheitlich aufgebaut. Besonders Ereignisse wie starke Niederschläge oder ein Wasserrohrbruch könnten örtlich zu ungleichmäßige Sackungen führen, die sich auf das Schwabentor auswirken. Hier musste also schnell gehandelt werden.

Düsenstrahlinjektionen versus URETEK Verfahren

Nun gibt es normalerweise keinen günstigen Zeitpunkt für eine innerstädtische Sanierungsmaßnahme. Als aber im Zuge anderer Bauarbeiten auch die Straßenbahngleise stillgelegt und erneuert werden sollten, war die Gelegenheit da. Als Verfahren zur Baugrundverstärkung und Fundamentstabilisierung wurden von der Stadt Freiburg Düsenstrahlinjektionen auf Zementbasis oder Injektionen von expandierenden Kunstharzen erwogen. Die Entscheidung fiel zugunsten der Injektion von Expansionsharzen mittels der URETEK-Methode. Dabei spielte vor allem die deutlich kleinere Baustelle und damit einhergehend die geringere Belästigung der Freiburger Bürger die entscheidende Rolle. Die Maßnahmen zur Baugrundertüchtigung wurden eng mit den Denkmalschutzbehörden abgestimmt.

Baugrundverstärkung ohne Beeinträchtigung

Die für die Injektionen notwendigen Kernbohrlöcher brachten zwar kurzfristig eine gewisse Lärmbelästigung mit sich, alle weiteren Arbeiten verliefen aber ohne nennenswerte Störungen.  Bei der URETEK-Methode wird ein schnell aushärtendes Expansionsharz durch Injektionslanzen direkt unter die Fundamentsohle sowie Fundamentsubstanz gepresst. Die Expansion der Harze mit einer Reichweite von bis zu zwei Metern erfolgt immer in Richtung des geringsten Widerstandes und damit genau dorthin, wo Klüfte und Hohlräume sowie aufgelockerte und geringtragfähige Bodenzonen vorhanden sind. Die Festigkeit der injizierten Böden entspricht nach Aushärten der Harze der Festigkeit des in diesem Fall ab sechs Metern unter Gelände anstehenden mitteldicht bis dicht gelagerten Schwarzwaldkieses.