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Impressum

An dem Ort, an dem Rotterdam im Jahr 1270 durch den Bau eines Deiches im Fluss Rotte gegründet wurde, sollte ein wichtiger städtebaulicher Impuls gesetzt werden. Die neue Markthalle, die mehr Menschen ins Stadtzentrum locken sollte, war aber nicht der einzige Neubau in einer Reihe von Großprojekten.

Die Idee zum innovativen Konzept kam den Planern und Projektentwicklern von Provast und MVRDV beim Betrachten einer Reihe von Markthallen in Südeuropa, die oft dunkle, introvertierte Gebäude sind, die wenig Verbindung zum umliegenden Stadtgebiet haben. In Rotterdam sollte ein sehr offenes Gebäude mit gutem Zugang und Erreichbarkeit entstehen. Daraus wurde am Ende ein großer Bogen, 120 Meter lang und 40 Meter breit und hoch. Gleichzeitig sollte das Gebäude wegen der Wetterbedingungen (transparent) geschlossen werden. Dazu wurde eine Seilnetzfassade gewählt, vergleichbar mit einem Tennisschläger, bei dem Stahlkabel als Saiten verwendet werden, zwischen denen Glasscheiben montiert sind.

Gründung der Baukonstruktion

Dem Bau der monumentalen Halle, der im Januar 2009 begann, musste eine Schule sowie ein Parkhaus weichen. Da der Baugrund immer noch extrem instabil und feucht war, wurden zunächst Spundbohlen rund um die Baustelle eingerammt, um einen Zusammenbruch der Baustelle während des Aushubs zu verhindern. Ferner wurden 2.500 schwere Betonpfähle in den feuchten Boden getrieben. Die Baugrube war ca. 15 Meter tief, Grundwasser stand bereits in einer Tiefe von 3 Metern an. Die Betonpfähle wurden als Spannpfähle verwendet, um die Baustelle stabil zu halten. Ein Betongitter bildete gleichzeitig die zukünftige Bodenstruktur des ersten Untergeschosses und bot Schutz für die Baustelle, eine intelligente Kombination.

Geflutete Baugrube der Markthalle Rotterdam
Mit Wasser geflutet – die Baugrube während des Aushubs (Quelle: MVRDV)

Nachdem die Wände gesichert waren, wurden Pumpen eingebaut, die es ermöglichten, das Gelände bis zu einer Tiefe von 8 Metern auszuheben. Dies gab den Archäologen Raum, die Überreste der ersten Siedlung von Rotterdam aus dem Jahr 1270 zu untersuchen. Um die Arbeiten bis zu einer Tiefe von 15 Metern unter Straßenniveau ausführen zu können und die Wände und Böden nicht zu belasten, wurde die gesamte Baugrube mit Wasser gefüllt. Kräne auf schwimmenden Plattformen gruben das Gelände mithilfe von GPS-Technologie aus, um eine Beschädigung der Betonkonstruktion zu vermeiden. Die letzten Meter wurden mit einem speziell für den Bau der Markthalle entwickelten Schlammkolben ausgegraben, um ein Berühren der Pfähle zu vermeiden.

Bauen im Wasser - Markthalle Rotterdam
Kein leichter Job: Abtauchen für die Anbringung der Bewehrungen (Quelle: MVRDV)

Dann begannen die Unterwasserbauer, die Bewehrungen für den Betonboden in 15 Metern Tiefe unter Wasser zu verlegen. Dies geschah ohne Sicht im trüben Wasser. Das Betonieren mit Spezialbeton, der auch bei Ölplattformen verwendet wird, dauerte nur 72 Stunden. Tag und Nacht wurde eine 1,50 Meter dicke Unterwasserbetonschicht mit 1.500 LKW-Ladungen verlegt. Anschließend wurde das Gelände langsam trockengepumpt. Der Boden, der ein Gewicht von 12.000 kg/m² tragen musste, schien wasserdicht zu sein.

Die Erstellung der mehrgeschossigen Tiefgarage nahm ca. ein Jahr in Anspruch, bevor mit dem Bau des Bogens begonnen wurde. Der Bau der beiden Seitenteile erfolgte schnell und wirtschaftlich mittels Tunnelschalung. Im Beton installierte WLAN-Geräte zeigten an, ob der Beton planmäßig aushärtete. Die Stahlseile der Seilnetzfassade tragen eine Spannung von 25.000 bis 30.000 Kilo. Sie ist flexibel und bei starken Stürmen kann der Wind die Fassade in der Mitte um max. 70 cm nach innen drücken.

Nachhaltigkeit

Die Markthalle ist mit dem städtischen Heizsystem und einem Wärmespeichersystem unter dem Gebäude verbunden, das auch eine
Reihe benachbarter Gebäude in der Umgebung heizt und kühlt. Für das Innere der Halle selbst wurden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, um ein angenehmes Innenklima mit extrem geringem Energieverbrauch zu schaffen. Die Halle ist natürlich belüftet, unter der Glasfassade strömt Frischluft ein, steigt zum Dach auf und verlässt die Halle durch Lüftungsschächte im Dach. Innerhalb des Marktes zeigt eine Informationstafel den Energieverbrauch und die CO2-Einsparungen des Gebäudes.

Kunstwerk

Das Innere des Bogens ist mit einem gigantischen Kunstwerk bedeckt, einer mehrfarbigen Kreation der Rotterdamer Künstler Arno Coenen und Iris Roskam. Es ist ein fünfschichtiger Digitaldruck, eine fotografische 3D-Illusion von frischen Produkten wie Obst, Fisch, Brot und Blumen. Das 11.000 m² große Kunstwerk wurde an die hölzerne Innenfassade der Halle geschraubt, in der sich das größte Puzzle Europas befunden haben muss. Jede der 4.500 Aluminiumplatten mit einer einer Größe von 152 cm x 152 cm musste an der richtigen Stelle montiert werden. Die 2 mm dicken Paneele sind perforiert, um Lärm aus der Halle zu absorbieren.

Das atemberaubende Deckenkunstwerk (Quelle: MVRDV)

Essen

Die Marktfläche selbst verfügt über 96 Frische-Einheiten. Die Einheiten sind Rücken an Rücken angeordnet und haben eine durchschnittliche Fläche von 20 m². Einige Einheiten haben ein Glasdach, andere eine Dachterrasse, insbesondere Geschäfte mit Restaurant oder Catering-Service haben diese Einheiten gemietet und bieten ihren Kunden die Möglichkeit, mit einer großartigen Aussicht auf die Markthalle zu essen und zu trinken. Dächer anderer Einheiten werden für die städtische Landwirtschaft verwendet, für den Anbau von Kräutern oder Gemüse, was nicht nur hübsch, sondern auch nützlich ist.

Leben

Der hufeisenförmige Bogen der Markthalle besteht aus Wohnungen vom dritten bis zum elften Stock, insgesamt 102 Mietwohnungen und 126 Eigentumswohnungen. Jede Wohnung hat eine Außenterrasse über die gesamte Breite der Einheit und die 24 Penthäuser haben – dank der Bogenform – eine sehr breite Dachterrasse. Die Hälfte der Apartments verfügt über Fenster zum Markt.